Eine breit getragene Initiative fordert mit der Kampagne „#SaveSocial“, soziale Netzwerke als demokratische Kraft zu retten. Weshalb ist das wichtig? Und was hat das mit unserer Arbeit im ÖIZ zu tun?
(Nachweis Beitragsfoto: „Social Media v2“ von the UMF (flickr.com), CC BY 2.0)
Wir können uns mit Menschen überall auf der Welt vernetzen, voneinander lernen, Wissen und Erfahrungen miteinander teilen, Freundschaften schließen und pflegen – und das kostengünstig, unabhängig und frei. Das war die großartige Idee der sozialen Netzwerke im World Wide Web. Leider entfernen wir uns von diesem Traum immer weiter. Was ist das Problem?
1 Die großen Plattformen sind in sich geschlossene Welten. Man kann nicht mit Menschen interagieren, die auf Facebook aktiv sind, wenn man selbst auf TikTok unterwegs ist. Man sagt auch: die Plattformen arbeiten nicht mit offenen Schnittstellen. Anders ist das beim Mailverkehr – jemand mit einer posteo-Adresse kann problemlos mit jemandem mit einer gmx-Adresse schreiben.
2 Facebook und Co. gehören zu oder sind Großkonzerne aus den USA und China. Sie sind daran interessiert, Geld zu generieren. Das geschieht durch Werbung – wofür die Daten der Nutzer:innen gebraucht werden. Massenhaft.
3 Um genaue Daten zu sammeln, müssen die User:innen immer wieder und möglichst lange auf der Plattform gehalten werden und animiert werden, zu klicken und zu reagieren. Deshalb werden vor allem Inhalte angezeigt, die „gut gehen“: Inhalte, die Emotionen und Affekte auslösen – Katzenvideos, reißerische Inhalte, Hassbotschaften… Beiträge, die länger und differenzierter gestaltet sind, werden kaum angezeigt. Hier werden öffentliche Debatte und Information durch Algorithmen geprägt, die weder nachvollziehbar noch demokratisch sind, die profitorientiert, nicht gemeinwohlorientiert sind.
4 Anders als Medienkonzerne, die Inhalte presserechtlich zu verantworten haben, dürfen Plattformen sogar strafbare Inhalte (Rassismus, Diskriminierung, Holocaustleugnung etc.) zu Geld machen.
5 Die Einführung und unkritische Nutzung von KI zementiert die Positionen der Big Techs: Nutzer:innen werden dazu angehalten, KI-gestützte Dienste zu nutzen, und besuchen immer weniger noch die Originalquelle, bleiben im Kreis der geschlossenen Netzwerke. Auf Basis intransparenter technischer Prozesse werden zudem Tenor oder Aussagen verändert, oft unter vielfachem Urheberrechtsbruch. Journalismus, Autor:innenschaft und kreatives Schaffen wird abgeschröpft und den Diensten der Tech-Riesen zugeführt.„Doch das Internet gehört uns allen, wir müssen es von der Dominanz der Monopolkonzerne befreien“, so die Initiative Save Social.
Es werden aktuell Unterschriften für einen Aufruf an leitende Politiker:Innen gesammelt. Zu den Forderungen der Initiative zählen unter anderen, dass Alternativen, die mit offenen Schnittstellen arbeiten, gefördert werden sollen – denn die gibt es bereits. Öffentliche Institutionen investieren oft hohen Aufwand und Ressourcen, um Inhalte ausschließlich für die geschlossenen Plattformen zur Verfügung zu stellen. Sie sollten aber gleichermaßen in den offenen vertreten und aktiv sein. Um die Bedienbarkeit und technische Infrastruktur zur verbessern, und auch die Bekanntheit der offenen Netzwerke zu erhöhen, braucht es außerdem öffentliche Investitionen. Und: Bildung. Dazu gehört, dass Bildungseinrichtungen vor allem die Nutzung offener und demokratiestärkender Plattformen und Netzwerke vermitteln sollten. Hardware und Angebote der Monopolplattformen sollten dort eingeschränkt werden.
Der ganze Aufruf mit detailierteren Informationen findet sich hier: www.savesocial.eu
Auch das ÖIZ hat sich in den vergangenen Jahren schrittweise in die sozialen Medien gewagt. Unser Anliegen war damals vor allem, unsere Veranstaltungen dort mit bewerben zu können. Was wir an den Plattformen gut finden, ist, dass wir hier neben Veranstaltungen auch Themen und wichtige Kampagnen sichtbar machen und stärken können. Außerdem bekommen wir beim Durchsehen des Feeds auch viel von der Arbeit unserer Partnerorganisationen und den fachspezifischen Diskursen mit. Die Entwicklungen im Internet bewegen uns allerdings sehr. Das Internet sollte gestaltet werden, um weltweite Gerechtigkeit, Teilhabe und Ermächtigung zu fördern, und Spaltung zu überwinden.
Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir selbst in SocialMedia unterwegs sein wollen:
1 Wir sind auf dem offenen Netzwerk mastodon aktiv. Dort posten („tröten“) wir mindestens einmal in der Woche.
2 Wir sind auch auf Facebook und Instagram aktiv. Dort unterstützen wir Inhalte, die gemeinwohlorientiert sind, und unsere Themen und Werte abbilden.
3 Wenn wir auf den geschlossenen Netzwerken Inhalte veröffentlichen, versuchen wir, die Nutzer:innen aus dem Feed zu lotsen. Artikel werden also nicht in voller Länge veröffentlicht, sondern über einen Link auf die Originalseite (zum Beispiel unsere Website).
4 Unseren damals noch Twitter-Account haben wir still gelegt.
5 Wir ermutigen und fordern andere Organisationen auf, ebenfalls im Fediverse aktiv zu sein.
Anna Groschwitz
Was ist das FEDIVERSE?
- ein Universum harmonisch kooperierender Netzwerke
- besteht aus vielen unabhängigen Plattformen und Diensten
- alle können sich miteinander verbinden
- dies ist sogar mit einem einzigen Account über alle Plattformen hinweg möglich
- es ist dezentral organisiert
- basiert auf freier Software mit offenen Schnittstellen
Unsere Präsenz in den Sozialen Medien:
mastodon: @oeiz
instagram: @oeiz_dresden
facebook: Ökumenisches Informationszentrum Dresden
