Die Kirchen als Mahner, Mittler und Motor

Ein Beitrag unserer Kollegin Silke Pohl zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.

Kennen Sie die SDGs? Wenn nicht, gehören Sie zur größeren Hälfte der Weltbevölkerung, die noch nichts von diesen Sustainable Development Goals oder Nachhaltigen Entwicklungszielen gehört hat. Doch es kann hilfreich sein, sich auf diese Ziele zu beziehen.

Darf ich vorstellen? Die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele mit ihren 169 Unterzielen bilden die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. Auf diese Agenda haben sich 193 Mitgliedsstaaten der UN 2015 geeinigt. In diesem großen Paket verbergen sich Ziele wie „Armut in jeder Form und überall beenden“ „ein gesundes Leben für alle Menschen…“, „Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern“, „Bekämpfung des Klimawandels“, „Schutz von Meeren und Landökosystemen“, „friedliche und inklusive Gesellschaften“ und „globale Partnerschaft“. Es sind große umfassende Ziele – und sie sollen bis 2030 erreicht sein. Es geht darum, die Welt so zu verändern, dass wirtschaftlicher Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde möglich ist. Deshalb sind sie mit Maßnahmen, Monitoring und Finanzen untersetzt.

Das Erreichen dieser Ziele kann jedoch nicht allein als staatliche Aufgabe gelingen. Die Zivilgesellschaft und auch die Kirchen sind wichtige Partnerinnen. Können hier parallele Prozesse zusammengeführt werden? Während auf der Ebene der UN seit den 80er Jahren der Begriff der Nachhaltigkeit etabliert wird, sprechen die Kirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen vom Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Das war insbesondere am Ende der DDR-Zeit ein wichtiger Bezugspunkt für die Christinnen und Christen. Und ist es für viele auch bis heute. Dennoch gibt es gute Gründe für eine intensivere Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitszielen:

Neue Begriffe und neue Wahrnehmung

Die 17 Nachhaltigkeitsziele gelten universell für alle Länder. Es wird also nicht mehr unterschieden zwischen sogenannten „industrialisierten, entwickelten Ländern“ und sogenannten „Entwicklungs-ländern“, die den Stand der anderen erreichen sollen. Alle Länder müssen sich verändern, um die Ziele zu erreichen. Das ist ein wichtiger und wohltuender Perspektivwechsel, den wir in die Welt tragen sollten.


Mahner, Mittler und Motor

Sich auf die 17 Ziele zu beziehen, heißt auch: Teil eines globalen Prozesses sein und dabei zeigen, dass Kirchen ihren Beitrag leisten. Denn die Ziele stehen vielfach im Einklang mit kirchlichem Engagement. In der EKD-Schrift „Umkehr zum Leben“ sieht der damalige Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm die Kirchen als Mahner, Mittler und Motor im Umsetzungsprozess zur Agenda 2030. Sie können zur Umkehr mahnen, bei gesellschaftlichen Zielkonflikten vermitteln und selbst in ihrer Praxis nachhaltiger und glaubwürdiger werden.


Potenziale in der weltweiten Ökumene

Zwar sind die 17 Ziele auf staatlicher Ebene verbindlich, aber die Menschen vor Ort wissen oft nichts davon. Kirchen sind lokal verankert. Sie können die Ziele kommunizieren und so ihren Beitrag für die Umsetzung leisten und dabei eigene Akzente setzen. Der Lutherische Weltbund will mit der Initiative „Waking the Giant“ Kirchen und Organisationen mit religiösem Hintergrund (faith-based organizations, FBOs), also nicht nur Christ:innen, auf der ganzen Welt für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele mobilisieren und deren Engagement für alle sichtbar zu machen.

Potenziale in der weltweiten Ökumene

Im ÖIZ sehen wir die Synergien von Themen des Konziliaren Prozesses und den Nachhaltigkeitszielen. Wir werden zukünftig in unseren Publikationen zeigen, welche Ziele bei einer konkreten Aktivität unterstützt werden. Dabei geht es gleichzeitig auch um kritische Begleitung. Denn die Ziele selbst sind auch widersprüchlich, so etwa Ziel 8 (Wirtschaftswachstum) vs. Ziel 13 (Bekämpfung des Klimawandels). Auch sind Ziele wie „mehr soziale Gerechtigkeit“ nicht durch das Abarbeiten von Maßnahmen zu erreichen, ohne die Logik kapitalistischer Macht infrage zu stellen.

Zum Weiterlesen:

  • Geliehen ist der Stern. Transformation unserer Welt. Die Agenda 2030 als Herausforderung für die Kirchen. Ein Impulspapier der Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung.“ (EKD Texte 130): www.ekd.de/ekd-texte-130-vorwort-37354.html