Wie würde Jesus heizen?

Bild: "Gute Nacht. Ich geh mal Schafe zählen" von Daniel Wehner #deewayner (flickr.com), CC BY 2.0, keine Änderungen vorgenommen
Was sehen Sie: Rasenmäher oder Heizkörper?
Bild: „Gute Nacht. Ich geh mal Schafe zählen“ von Daniel Wehner #deewayner
(flickr.com), CC BY 2.0, keine Änderungen vorgenommen

Vom Stall und von den Schafen

Immer mal wieder kursiert in den Weiten des Internets dieses Gedankenexperiment – wie wäre es, sich Schafe in der Wohnung zu halten, um deren Körperwärme zu nutzen, sich gar unabhängig von externer Heizenergie zu machen? Doch Moment – was erstmal nach einer naiven Idee von großstädtischen Energiesparenthusiasten klingt, erinnert mich doch an etwas – gemeinsam Wohnen mit Tieren – da kursiert auch jedes Jahr aufs Neue die Erzählung von einem Stall, in dem sogar ein Kind geboren wurde, in einer Futterkrippe gebettet und von Hirten besucht. Immer um die Weihnachtszeit wird dies in wohlig warm beheizten Kirchenräumen in allerlei Ausschmückung nacherzählt. Vielleicht hat die Geschichte von der Geburt Jesu ja auch etwas darüber zu sagen, wie wir in Zeiten der Klimakrise unsere Kirchen zukunftssicher und klimagerecht beheizen können?

Wir öffnen also die Tür zum Stall. In unserer romantisch verklärten Vorstellung finden wir die heilige Familie zwischen Ochs und Esel, darüber der Stern, vielleicht auch ein paar Schafe. Eine prima Wärmequelle – nicht nur wegen der Wolle. Etwa 120 Watt an Wärmeenergie gibt ein ausgewachsenes Schaf ab. Zum Vergleich: ein typischer Flachheizkörper mit 1m Länge erreicht eine Heizleistung von etwa 1500 Watt. In alten Bauernhäusern lagen Wohnraum und Stall oft eng beieinander, auch um in der kalten Jahreszeit von Tieren als Wärmequelle zu profitieren. Ob ein paar Schafe wohl aber reichen, um eine Kirche zu heizen?

Kirchenheizung im Wandel

In zweitausend Jahren hat sich viel verändert in puncto Kirchenheizung. Über viele Jahrhunderte blieben die Kirchgebäude über den Winter kalt. Als am 25. Dezember 1734 in den frühen Morgenstunden ein erstes Mal der Eingangchor „Jauchzet, frohlocket“ aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium in der Leipziger Nikolaikirche erklang, war es alles andere als lauschig warm – herausfordernd sowohl für Musiker als auch die Gemeinde. Die Zentralheizung war noch nicht erfunden, nur wer es sich leisten konnte brachte in kleinen „Kirchenbank-Öfen“ ein paar glühende Kohlen zum Gottesdienst. Erst Mitte des 18. Jh. kommen vereinzelt Kohleöfen zum Einsatz. Alte Kirchengemäuer mit moderner Heiztechnik nachzurüsten, blieb ein kostspieliges und aufwendiges Unterfangen.

Auch bei der Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche bestand die Herausforderung, Heiztechnik, Klimaanlage und weitere zeitgenössische Ingenieurskunst unterzubringen, die ursprünglich nicht vorgesehen war. Erst ein unterirdisches Außenbauwerk aus Stahlbeton ermöglichte den zusätzlichen Platzbedarf. Die Technik hat sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt. Von Dampf-, Warmluft-, Fußboden- bis Kirchenbankheizungen ist alles vertreten. Das Aufheizen ganzer Kirchräume mit ihren hohen Decken, großen Fenstern und schlechten Isolierungen bedeutet jedoch einen immensen Energiebedarf. Bevor in teure Technik investiert wird, stellt sich zunächst die Frage, ob es geeignetere Räume für die Gottesdienste in der Winterzeit gibt, welche Temperaturen zumutbar sind, und ob man zunächst wärmende Decken anschaffen kann. Im Rahmen des Klimaschutzkonzepts der EVLKS wird nachgesteuert und der Einsatz von „körpernahen und nichtfossilen“ Heizungen nahegelegt. Erste Beispiele dafür sind Akku-betriebene Sitzkissen oder der Einsatz von Wärmepumpen.

Energie für Frieden und Gerechtigkeit

Wir kehren zurück zum Stall: den Hirten sind noch die Worte der Engel im Ohr „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.“ An dieser Stelle fällt mir ein Satz von Dr. Michael Blume ein: „Erneuerbare Energien sind nicht nur Freiheitsenergien, sondern auch Friedensenergien“. Seit der Invasion Russlands in die Ukraine vor dreieinhalb Jahren beschäftigen sich auch die Kirchen intensiver mit ihrem Energieverbrauch. Im Blick sind dabei die eigenen Heizkosten – doch auch für die globalen Folgekosten unseres Energiehungers tragen wir eine Verantwortung. Wenn Kirchen auf erneuerbare Energien umsteigen, ist das nicht nur ein lang überfälliger Schritt für mehr Klimagerechtigkeit, sondern auch ein wichtiger Beitrag, um die Gewalt und Kriege einzudämmen, die durch fossile Energien mitfinanziert werden. Vielleicht ist auch dies ein Anstoß, zu Heilig-Abend lieber wärmende Decken auszulegen, anstatt Kirchen auf Wohnzimmertemperatur zu heizen. Wie viele Schafe dafür nötig wären – das überlasse ich Ihnen als Rechenaufgabe für die Weihnachtsferien, oder als Anfrage an die KI Ihres Vertrauens.

Verwaltungsvorschrift – Kirchliche Bauordnung der EVLKS:
„In Kirchgebäuden ist grundsätzlich nur der Einbau (erstmalige Installation, Erneuerung) von körpernahen und nichtfossilen Heizungslösungen genehmigungsfähig. Davon abweichend kann im Einzelfall eine
Raumluftheizung nach den Maßgaben von §2 Abs.3 Kirchliche Bauordnung zulässig sein, wenn die Wärme mindestens zu 65 % durch erneuerbare Energien erzeugt wird.“

(VwV KBO §2 Artikel 6, Fassung: 01.06.2025)

Weiterführende Informationen:

Klimaschutzkonzept der Ev-Luth. Landeskirche Sachsen:
https://engagiert.evlks.de/arbeitsfelder/gesellschaft/klimaschutzkonzept

Verwaltungsvorschrift – kirchliche Bauordnung:
https://engagiert.evlks.de/Rechtssammlung/PDF/4.11.1-Kirchliche-BauO-01.06.2025-31.12.2025-.pdf
und dazugehöriges FAQ:
https://engagiert.evlks.de/fileadmin/userfiles/EVLKS_engagiert/C._Arbeitsfelder/Leitung_Verwaltung/FAQ_KBO_und_Verwaltungsvorschriften_11.06.2025.pdf