Wachsen – wohin? Von Irrsinn, Notwendigkeit und Glück

Flyer zur Reihe

Rückblick und Ausblick
Seit Februar beschäftigen wir uns mit dem Thema Wirtschafts-wachstum und Ansätzen, aus dieser Logik auszubrechen.
Leicht gesagt ist es ja: Auf einem endlichen Planeten kann es kein unendliches Wachstum geben. Das Problem ist jedoch seit den 70er Jahren bekannt. Leider ist in Bezug auf die weltweiten wirtschaftlichen und ökologischen Kennzahlen nur wenig Mutmachendes zu entdecken: Der Verbrauch von Ressourcen, die jährlichen Flugreisekilometer, der weltweite CO2-Ausstoß etc. – alle Kurven steigen. Der Erdüberlastungstag, also der Tag des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion übersteigt, wandert jedes Jahr weiter nach vorn: In den 70ern lag er im Dezember, 2012 am 22. August, 2017 am 2. August. Und gerecht geht es nicht zu, denn es ist nur ein Teil der Menschheit, der fliegt, gegen Übergewicht kämpft und jedes Jahr ein neues Handy braucht. Die Folgen tragen auch die anderen, die unter Hunger, Überschwemmungen, Dürren leiden.
Wenig Mutmachendes also. Andererseits waren da die Besucher_innen unserer Veranstaltungen: Bei der Eröffnung zur Ausstellung „Endlich Wachstum“ in der Dreikönigskirche hörten wir, wie sich Menschen für Veränderung einsetzen und dabei optimistisch bleiben. Bei der Filmvorführung „Kommen Rührgeräte in den Himmel?“ erzählten die Zuschauer_innen, dass sie lieber nicht so häufig Neues kaufen und reparieren. Erodiert die Zustimmung der Menschen zu diesem „immer schneller, höher, weiter“ oder sind es immer die gleichen Wenigen, die nach anderen Wegen suchen?
Das kapitalistische Wirtschaftssystem benötigt Wirtschaftswachstum. Trägt es vor diesem Hintergrund zu einer Veränderung bei, wenn Menschen fair und ökologisch konsumieren und nach Alternativen suchen – und sei es in Nischen? Dies war eine der Fragen, um die es im Vortrag von Dr. Tino Heim am 1. März ging. Er verdeutlichte, dass in unserer Gesellschaft Arbeit der zentrale Integrationsmechanismus ist – für Anerkennung, Einkommen, Sozialversicherung etc. Postwachstum heißt, dass weniger Geld über Arbeit in der Gesellschaft verteilt wird. Somit nehmen Armut, Konkurrenz und Verteilungsprobleme zu, so wie es in den südeuropäischen Ländern schon zu sehen ist. Im Hinblick auf eine Utopie des Postwachstums heißt das: Wer vom Konsum (oder Verzicht auf Konsum) spricht, darf von der Arbeit (bzw. der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums) nicht schweigen. Wie wird Reichtum in der Gesellschaft hergestellt und über welche Mechanismen wird er verteilt? Geht das anders als über Arbeit? Ist Grundeinkommen eine Möglichkeit?
Kurzum: Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Und es bleibt trotz allem der ökologische Imperativ: “Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.” Hans Jonas, dt.-amerik.Philosoph

 

Veranstaltung: Film und Gespräch
La buena vida. Das gute Leben

BRD 2015
11. April, 20 Uhr
Asociación Cultural Iberoamericana, Bischofsweg 74

Der Film zeigt die Geschichte der kolumbianischen Dorfgemeinschaft Tamaquito. Die Ausweitung der Kohlemine „El Cerrejón“ droht die Lebensgrundlage der Gemeinschaft zu zerstören. Der Film dokumentiert die den Kampf der Dorfbewohner_innen gegen die gewaltsame Vertreibung. Auch Deutschland importiert Steinkohle aus Kolumbien für die Stromproduktion. Die Folgen des hiesigen Konsums und Strebens nach Wachstum und Wohlstand werden in Kolumbien sichtbar. Nach dem Film kommen wir mit Gloria Arregoces von der Asociación Cultural Iberoamericana ins Gespräch.

 

Vergangene Veranstaltungen:

Ausstellung:
Endlich Wachstum – zu Wirtschaftswachstum, Grenzen und Alternativen

vom 11. Februar bis 2. April
im Haus der Kirche Dresden

Die Ausstellung des Berliner Kollektivs fairbindung e.V. thematisiert Wirtschaftswachstum, seine Funktionen und Grenzen. Gesellschaftliche und politische Triebkräfte sowie die eigenen mentalen Prägungen stehen im Fokus. Die Ausstellung zeigt zudem alternative Ansätze hin zu einer ökologisch und sozial tragfähigen Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Vortrag
Postwachstum = Utopie oder Katastrophe? Die Krise der kapitalistischen Wachstumsmodelle und die Herausforderungen einer ‚Postwachstumsgesellschaft‘

1. März, 19.30 Uhr, Grüne Ecke, Bischofsplatz 6
Dr. Tino Heim, Soziologe

Für die wachsende Degrowthbewegung gilt ‚Postwachstum‘ als Chiffre für die Utopie sozial und ökologisch verantwortlicher, nachhaltiger und solidarischer Wirtschafts- und Lebensformen. Zugleich wird ein langfristig geringes, Null- oder gar Negativwachstum (=Postwachstum?) gerade in den kapitalistischen Wohlstandsnationen zunehmend zu einer v.a. bedrohlichen Realität. Hier bedeutet ‚Postwachstum‘ schließlich Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau, wachsende Ungleichheit Es wird so zum Synonym einer heraufziehenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Katastrophe.

Aus dieser Ambivalenz ergeben sich unbequeme Fragen: Woraus ergeben sich eigentlich die Wachstumszwänge und die Wachstumskrisen im modernen Kapitalismus? Sind Wohlstand und sozioökonomische Teilhabe in einer modernen Gesellschaft ohne ökonomisches Wachstum möglich? Welche Transformationen bräuchte es, damit Postwachstum als Segen und nicht als Fluch wirken kann? Wo liegen die Ansatzpunkte für politische Kämpfe um eine andere Gestaltung der ‚Postwachstumsgesellschaft‘?

 

Film und Gespräch
Kommen Rührgeräte in den Himmel? Ein Film über Wertschätzung und ein ewiges Leben

BRD 2016
4. März, 19 Uhr
Dreikönigskirche – Haus der Kirche, Hauptstr. 23

Die Schweiz-Peruanerin Carmen studiert Design im exotischen Thüringen. Nachdem ihr nagelneuer Mixer beim Kuchenbacken den Geist aufgegeben hat, entdeckt sie auf einem Flohmarkt ein Rührgerät aus DDR-Zeiten. Es ist deutlich älter als sie selbst – und trotzdem noch tadellos in Form. Der Film fragt, warum heute hergestellte Produkte nicht mehr so langlebig sind. Wo und unter welchen Bedingungen wird der größte Teil unserer Gebrauchsgegenstände heute hergestellt?

Warum werfen wir vieles davon schon nach wenigen Jahren wieder auf den Müll? Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit Oscar Choque, Promotor für Ressourcengerechtigkeit.

 

Film und Gespräch
TOMORROW – Die Welt ist voller Lösungen

Frankreich 2015
9. März, 19:00 Uhr
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung, Clara-Zetkin-Str. 30

Ein Film über die Lösungen, die wir brauchen, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. Die gute Nachricht des Filmes ist: Es gibt sie schon im kleinen. Verschiedene Projekte und Initiativen mit alternativen ökologischen, wirtschaftlichen und demokratischen Ideen inspirieren zu Veränderungen.

 

 

 

 

Film und Gespräch
My Stuff – was brauchst Du wirklich?

Finnland 2013
25. März, 19 Uhr
Dreikönigskirche – Haus der Kirche, Hauptstr. 23

Petri ist Mitte 20, als seine Freundin ihn verlässt. Er tröstet sich, indem er seine Kreditkarte zum Glühen bringt. Dann entscheidet er, ein Selbst-Experiment zu starten: Er packt alles (wirklich alles!), was er hat in ein Self Storage-Lager und darf sich jeden Tag einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen. Kaufen darf er ein Jahr lang nichts. Diese Reflexion über Dinge, die man zum Leben braucht, werden wir im anschließenden Filmgespräch mit Alexander Löcher, modereco e.V., Verein zur Förderung maßvoller Wohlstandsmodelle, vertiefen.

 

Ausstellungseröffnung
Endlich Wachstum – zu Wirtschaftswachstum, Grenzen und Alternativen

11. Februar, 18 Uhr
Dreikönigskirche – Haus der Kirche, Hauptstr. 23

Die Ausstellung des Berliner Kollektivs fairbindung e.V. thematisiert Wirtschaftswachstum, seine Funktionen und Grenzen. Gesellschaftliche und politische Triebkräfte sowie die eigenen mentalen Prägungen stehen im Fokus. Die Ausstellung zeigt zudem alternative Ansätze hin zu einer ökologisch und sozial tragfähigen Wirtschaft und Gesellschaft.

Zur Eröffnung werden Ansätze kirchlicher Institutionen vorgestellt:
Tobias Funke, Mitinitiator der Initiative anders wachsen
Ulrich Clausen, Beauftragter für Weltkirche und Umwelt, Bistum Dresden-Meißen
Georg Clauss, Micha-Initiative Dresden
Moderation: Anna Groschwitz, Referentin für „anders wachsen“

Welt Weit Sichten ist eine Reihe des Ökumenischen Informationszentrums. Teile des Programms finden im Rahmen der Reihe „The green side of life“ vom Haus der Kirche statt. Weitere Veranstaltungen dieser Reihe: http://www.hdk-dkk.de

 

Kooperationspartner:

 

       Die Veranstaltungen werden finanziert aus Mitteln der Stiftung Nord-Süd-Brücken mit finanzieller Unterstützung des BMZ und durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.

Aktuell

Weltreligionen in Dresden

Midissage
Do, 16. August, 20 Uhr

Martin-Luther-Kirche


Ökumenischer Gottesdienst zum Stadtfest

Sonntag, 19. August
11.30 Uhr

Bühne Theaterplatz


Ökumenische Exerzitien im Alltag zur Schöpfungszeit

Infotreffen Montag,
20. August
, 19 Uhr, ÖIZ


Ökumenisches Friedensgebet

montags, 17 Uhr
Kreuzkirche