Welt Weit Glauben – Religion im Kontext von Konflikten und Versöhnung

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass in den Nachrichten Religion und Krieg bzw. Terror in Zusammenhang gebracht werden. Religionen lieferten zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Regionen immer wieder Rechtfertigungsgründe für gewalttätige Auseinandersetzungen und Kriege. Anderseits rufen Religionen zu Gewaltverzicht, Nächstenliebe und friedlichem Zusammenleben auf. Sie haben das Potential, mit ihren Werten zu Versöhnung und zur Überwindung von Konflikten beizutragen. Wie kann dieses Potential genutzt und die Instrumentalisierung von Religionen für politische Ziele verhindert werden?
In Indonesien, im Nahen Osten, in Tansania, auf Lesbos: Mehrere Wochen lang widmen wir uns der Frage, wie religiöse Gemeinschaften im Kontext von Konflikten agieren. Wir richten den Blick nicht nur in andere Weltregionen, sondern auch in die Vergangenheit, um unsere Perspektiven auf das heutige Verhältnis von Religion und Politik zu erweitern.
Und es wird vor Ort konkret: Auch in Dresden haben religiöse Menschen und Gemeinschaften die Wahl: Sie können polarisieren oder ihren Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaften leisten. Mit Migrant_innen und Deutschen sprechen wir deshalb über gute Wege des multireligiösen Zusammenlebens.

Programm

Ausstellungseröffnung 18. Oktober, 20 Uhr

Ausstellung vom 18.10. bis 04.12.
Welt-Religionen in Dresden. Eine fotografische Exkursion
Fotos: Annemarie Müller und Christoph Boosen
Ladencafé aha, Kreuzstr. 7 Dresden

Wer heute in Dresden religiös ist, ist nicht unbedingt Christ. In der Stadt gibt es – oft im Verborgenen – unter anderem Gemeinden von Juden, Muslimen, Buddhisten oder Baha`í. Sie alle gehören zu Religionen, die über die Welt verteilt existieren, die es aber auch in Dresden gibt. Oft verbinden sich Vorurteile und Unsicherheiten mit unbekannten Religionsgemeinschaften. Trotz Neugier fällt es schwer, Kontakte zu suchen. Die Fotografien von Christoph Boosen und Annemarie Müller vermitteln einen kleinen Eindruck von der Vielfalt und dem Reichtum dieser „fremden“ Religionen in Dresden. Musikalisch wird die Ausstellungseröffnung umrahmt von Adrian Zendeh.

Vortrag und Diskussion

Religion und Menschenrechte. Perspektiven zu einem spannungsvollen Verhältnis
Dr. Henry Schürmann, Misereor, Berlin
23. November, 19.00 Uhr
Kath. Gemeinde “Heilige Familie” Dresden-Zschachwitz, Meußlitzer Str. 108

Die Kirchen werden in der hiesigen Öffentlichkeit zumeist als Verteidiger der Menschenrechte wahrgenommen. Als die deutschen Amtskirchen in den 1960er Jahren um eine Positionierung zu Frauenrechten etc. rangen, verlief das jedoch keineswegs reibungslos. Heute ziehen in der Wertediskussion zur Religionsfreiheit, zur Rolle der Frau oder zur Kinderheirat bei Geflüchteten neue Herausforderungen auf.
An historischen und gegenwärtigen Beispielen aus Deutschland und Indonesien wird Dr. Henry Schürmann, Referent bei Misereor und langjähriger Menschenrechtsbeobachter für Amnesty International, die Aktualität und Notwendigkeit einer Verhältnisbestimmung von Religion und Menschenrechten aufzeigen.

Vortrag und Diskussion

Sind Christen bessere Friedensstifter? Erfahrungen mit Christian Peacemaker Teams (CPT) in weltweiten Krisengebieten
Dr. James Jakob Fehr, Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee, Bammental
17. November, 18 Uhr
Ev.-mennonitische Freikirche Dresden, Hechtstr. 78a

Am Anfang stand die Frage: Können Christen die gleiche Disziplin und Selbstaufopferung für die gewaltfreie Friedensarbeit aufbringen wie das Militär für die Kriegsführung? Ja, meinten einige Mennoniten, Quäker und andere und gründeten 1984 Christian Peacemaker Teams (CPT). Freiwillige gehen für kürzere oder längere Zeit in Krisengebiete, unterstützen Einheimische bei gewaltfreien Aktionen und setzen sich für deren Menschenrechte ein. Damit wollen sie Zeugnis ihres christlichen Glaubens ablegen – in Kolumbien, Lesbos oder in Palästina. Mittlerweile kommen die Mitglieder der Teams auch aus anderen Religionen. Und sie müssen sich damit auseinandersetzen, wie Religionsführer eskalierend, hemmend oder unterstützend auf einen Konflikt einwirken können.
Dr. James Jakob Fehr vom Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee wird über die Arbeit von Christian Peacemaker Teams und seine eigenen Erfahrungen als Freiwilliger auf der Insel Lesbos in Griechenland berichten.

Vortrag und Diskussion

„Dienet dem Reich Gottes, nicht dem deutschen Reich!“ Mission in der Kolonialzeit am Beispiel des Leipziger Missionswerkes
Pfarrer Ravinder Salooja, Direktor des Leipziger Missionswerkes
20. November, 19:30 Uhr
Haus an der Kreuzkirche (Raum Collum), An der Kreuzkirche 6

“Zuerst hatten wir das Land – und die Weißen, die kamen, die Bibel. Jetzt haben wir die Bibel – und sie das Land.” Mission steht unter dem Verdacht, mit den Eroberern der Kolonien und den Kolonialbehörden eng zusammen gearbeitet zu haben. Andererseits distanzierten sich Missionare wiederholt von der skrupellosen Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung.
Welche Rolle(n) spielten Missionare und welche Auswirkungen hatte die Missionstätigkeit in den kolonisierten Ländern? Wie prägen die historischen Erfahrungen das heutige Missionsverständnis? Ravinder Salooja gibt einen Einblick in die Aktivitäten des Leipziger Missionswerkes während der Kolonialzeit und erläutert, wie Mission heute verstanden wird.

Studientag

Der Nahe Osten gestern und Perspektiven heute. Koloniale Geschichte – Religion – Politik
25. November, 10-17 Uhr
Japanisches Palais, Palaisplatz 1

Die Hintergründe der Kriege in Syrien und anderen Staaten des Nahen Ostens sind für die meisten Menschen in ihrer Komplexität kaum noch durchschaubar. Um sie zu verstehen, reicht es nicht, den Blick auf die Gegenwart und die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu richten. Deshalb laden wir zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nahen Ostens ein. Das schließt die Kolonialgeschichte und das Verhältnis von Religion(en) und Politik ein. Am Nachmittag des Studientages steht eine Analyse der aktuellen Konflikte und der Perspektiven für die Region im Vordergrund.
Das Museum für Völkerkunde Dresden bietet im Rahmen des Studientages eine Führung in die Restaurationswerkstatt des Damaskuszimmers sowie durch die Ausstellung PROLOG #1-10. Letztere bietet Anregungen, die (koloniale) Herkunftsgeschichte und den Umgang mit ethnographischen Objekten zu reflektieren.

Referent_innen:

Prof. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin
Dr. Friederike Stolleis, Friedrich-Ebert-Stiftung, Referentin u.a. für Syrien und Libanon
Martina Sabra, freie Journalistin und Projektgutachterin mit den Schwerpunkten Nahost/Nordafrika

Anmeldung (wichtig fürs Catering) bitte bis 15. November unter
silvia.fischer@fes.de
Kinderbetreuung möglich, bitte anmelden!

Interreligiöse Begegnung

Welt-Religionen in Dresden
30. November, 19.00 Uhr
Volkshochschule Dresden, Annenstr. 10

Wir laden ein, in einem lockeren Gespräch Vertreter_innen verschiedener Welt-Religionen in Dresden kennenzulernen und deren Religionen bewusst wahrzunehmen. Wir wollen hören, wie sie hier ihren Glauben leben, aber auch, welche Werte ihrer Religion sie in Dresden einbringen. Dazu werden Fotografien der Ausstellung “Welt-Religionen in Dresden” gezeigt, die bereits ab 18. Oktober 2017 im Ladencafé aha zu sehen ist.

Flyer zum Herunterladen

Welt Weit Sichten ist eine Reihe des Ökumenisches Informationszentrums e.V. mit verschiedenen Kooperationspartnern: Ladencafé aha, Friedrich-Ebert-Stiftung, Misereor, SEBIT, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, VHS Dresden

Die Veranstaltungen werden gefördert aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, den Katholischen Fonds sowie den Freistaat Sachsen.

Aktuell

Welt-Religionen in Dresden

Eine fotografische Exkursion

Fotos von Annemarie Müller und Christioph Boosen
Ausstellungseröffnung
18. Oktober, 20 Uhr
im Ladencafé aha
Musik: Adrian Zendeh


Kinderarmut Chancen/Gerechtigkeit in einem reichen Land

Dienstag, 17. Oktober,

18 Uhr Gottesdienst
Christuskirche Dresden-Strehlen

19.30 Uhr Fachveranstaltung
Gemeindesaal der Christuskirchgemeinde
Dresden-Strehlen

 


Ökumenisches Friedensgebet

Montags, 17 Uhr
Kreuzkirche


Das ÖIZ unterstützt das Bündnis Dresden für alle

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