Welt Weit Sichten

Rohstoffe für die Elektromobilität – Klimawende mit Nebenwirkungen

emobilitaet_auto_neu3_mit_rand-CMYK_kleinAutoverkehr belastet die Umwelt und gilt als Klimakiller. Motorisierte Mobilität ist für rund 20 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Als Antwort werden von Autoindustrie und Bundesregierung Elektroautos als die Lösung schlechthin präsentiert. Das Ziel: Eine Million Elektro- bzw. Hybridautos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen fahren. Das würde die CO2-Emissionen vermutlich senken. Aber ist allein damit wirklich der Weg zu einer nachhaltigen Mobilität eingeschlagen?

Nebenwirkungen des Autoverkehrs sind nicht nur CO2-Emissionen. Rohstoffe wie Eisen aus Brasilien, Kupfer aus Sambia, Bauxit für Aluminium aus Indien werden in großen Mengen für die Autoproduktion benötigt. Der Abbau erfolgt unter ökologisch und sozial inakzeptablen Bedingungen. Hier machen auch Elektroautos keine Ausnahmen. Im Gegenteil: Der Bedarf an seltenen mineralischen Rohstoffen wie Kupfer, Gallium, Silber, Indium und Germanium ist bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu konventionellen Benzin- und Dieselfahrzeugen sogar deutlich höher.

Sinkende Grundwasserspiegel, verseuchte Gewässer, Jahrzehnte andauernde bewaffnete Konflikte: Werden diese Konsequenzen von Wirtschaft und Bundesregierung mitgedacht oder konsequent ausgeblendet? Sind die benötigten Rohstoffe überhaupt in ausreichendem Maß vorhanden, um die Vision der Elektromobilität in Europa umzusetzen? Wenn Elektromobilität als Zukunftsszenario bestehen soll, muss sie sozial und ökologisch gerecht werden.

In der Reihe Welt Weit Sichten laden wir von Februar bis April 2015 ein, (Elektro-)Mobilität weiter zu denken. Wir diskutieren neben rohstoff- und energiepolitischen Fragen auch die philosophisch-kulturelle Dimension von Mobilität.

Gefördert
aus Mitteln von Misereor und dem Freistaat Sachsen

Unsere Partner:  logo_INKOTA_farbig_kleineraha-neu-transparentayniELLKS_4c_cmyk_klein

Ausstellungen:
Reichtum geht, Armut bleibt | Lithium statt Quinoa

24.2.-18.4.2015, LadenCafé aha, Kreuzstr.7

quinoaLithium ist zu einem der begehrtesten Rohstoffe weltweit geworden. Es wird für Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos, aber auch für Handys und Laptops benötigt. Die Begehrlichkeiten auf große Lithiumvorkommen wie in Bolivien werden größer. Doch der geplante Abbau von Lithium soll in einer Region erfolgen, in der auch das beste Quinoa der Welt wächst. Quinoa ist eine wertvolle Getreideart und zentrales Nahrungsmittel in der Region.

Die Fotoausstellung „Quinoa statt Lithium“ liefert ein visuelles Plädoyer für den Schutz der Anbaugebiete von Quinoa. Dass der Abbau von Rohstoffen nicht Reichtum, sondern oft hohe Folgekosten für die lokale Bevölkerung und die Umwelt mit sich bringt, zeigt parallel die Ausstellung „Reichtum geht, Armut bleibt“ der Kampagne Bergwerk Perú.

Zukünftige Veranstaltungen:

Koch-Workshop: Essen statt Räder – Kochen mit Quinoa

14.4.2015, 18-21 Uhr, ÖIZ, Kreuzstr. 7, 4. Etage

Lernen, schnippeln und genießen: Oscar Choque von AYNI e.V. kocht gemeinsam mit den Teilnehmenden und berichtet über die neuen Herausforderungen des Quinoa-Anbaus, mit denen die bolivianische Bevölkerung konfrontiert ist.

Anmeldung an weltweitsichten[a]infozentrum-dresden.de

TeilnehmerInnenbeitrag: 3 Euro

World-Café: Unsere Mobilität der Zukunft

18.4.2015, 15-18.30 Uhr, Haus an der Kreuzkirche, An der Kreuzkirche 6

Menschen bewegen sich seit Jahrmillionen. Mobilität bedeutet nicht nur Überwindung von Raum und Zeit. Mobilität wird assoziiert mit Freiheit und Flexibilität, bedeutet Bereitschaft zur Veränderung. Mobilität ermöglicht Begegnung und gehört unstrittig zum Menschsein.

Angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens und des damit verbundenen immensen Rohstoffverbrauchs und der Emissionen stellt sich heute allerdings auch mehr denn je die Frage, wie zukunftsfähig unsere Mobilität ist. Wie wollen wir zukünftig mobil sein? Welchen Anforderungen muss die Mobilität der Zukunft genügen? Und welche Schritte können bereits heute gegangen werden hin zu einer zukunftsfähigen Mobilität?

Das World-Café lädt zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität der Zukunft ein. In einer entspannten Caféhaus-Atmosphäre bieten wir Ihnen die Gelegenheit, mit anderen Menschen unterschiedlicher Erfahrungshintergründe sowie VertreterInnen aus Politik, Verwaltung  und Verbänden hierüber ins Gespräch zu kommen.

Beschränkte TeilnehmerInnenzahl.

Anmeldung an weltweitsichten[a]infozentrum-dresden.de

anschließend

Podiumsdiskussion: Elektromobilität – Zukunft oder Sackgasse?

18.4.2015, 19 Uhr, Haus an der Kreuzkirche, An der Kreuzkirche 6

Weniger CO2 in den urbanen Räumen, keine Lärmbelastung. Die Aussicht auf Straßen mit Elektroautos klingt verlockend. Doch halt! Der Blick schweift weiter, geht ein paar Schritte zurück entlang der Wertschöpfungskette: Die Herstellung und der Betrieb von Elektroautos verursachen einen hohen Verbrauch an mineralischen und metallischen Rohstoffen, die großteils aus Ländern des Südens importiert werden. Die Gewinnung dieser Rohstoffe erfolgt unter hohen ökologischen und sozialen Kosten der Menschen in den Abbauregionen. Darüber hinaus kommt der Strom für die E-Autos derzeit vor allem aus Kohlekraftwerken. Die CO2-Emissionen sind damit nur an einen anderen Ort verlagert – vom Auspuff zum Kraftwerk -, keinesfalls aber vermieden.

Ist Elektromobilität also tatsächlich die Mobilität der Zukunft? Welche anderen Wege hin zu einer zukunftsfähigen Mobilität müssen wir beginnen zu denken?
Die Podiumsdiskussion lädt ein, im Gespräch mit Experten das Konzept der Elektromobilität im Hinblick auf menschenrechtliche, ökologische und kulturelle Aspekte zu prüfen und den Horizont zu öffnen für ein Weiterdenken zur Mobilität der Zukunft.

Es diskutieren:

Prof. Dr.-Ing. Udo J. Becker, Verkehrsökologie, TU Dresden
Michael Rekordt, AK Rohstoffe Berlin
Thomas Baum, SPD-Landtagsfraktion/ Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Dr. Gerd Lippold, Landtagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN/ energiepolitischer Sprecher
Dipl.-Ing. Marco Zichner, Nationale Plattform Elektromobilität

Moderation: Christoph Boosen

 

 

Vergangene Veranstaltungen:

Ausstellungseröffnung mit Themengespräch:
Lithium oder Quinoa – Landnutzung in Bolivien

24.2.2015, 20h, LadenCafé aha, Kreuzstr.7

Lithium oder Quinoa – im Zentrum der Diskussion steht der Konflikt zwischen dem westlichen Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien und dem Anspruch der Nahrungsmittelsouveränität in Bolivien. Die beiden Referenten Dr. Muruchi Poma und Oscar Choque von Ayni e.V. sprechen zu aktuellen Entwicklungen des Lithiumabbaus in Bolivien und zu Lösungsansätzen für den Landnutzungskonflikt. Oscar Choque wird zudem die Veranstaltung musikalisch begleiten.

 

Vortrag und Diskussion: Antrieb gut, alles gut? Kohlestrom für E-Autos

4.3.2015, 19 Uhr, Veränderbar, Görlitzer Str. 42 HH

Elektroautos werden gepriesen als umweltbewusste Alternative zum Verbrennungsmotor – sie erzeugen keine Emissionen. Das klingt gut, stimmt aber nur, solange der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Derzeit liefern jedoch vor allem schmutzige Kohlekraftwerke den Treibstoff für die grünen Motoren. Diese werden u.a. mit Steinkohle aus Kolumbien, Russland oder den USA befeuert. Die Folgen des dortigen Kohleabbaus gehen weit über ökologische Schäden hinaus – Menschen werden vertrieben, Rechte von Indigenen missachtet.

Sebastian Rötters stellt am Beispiel Kolumbien die Folgen des Kohleabbaus dar und erweitert damit den Blick auf die tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten, die Elektromobilität derzeit mit sich bringt.

Sebastian Rötters arbeitet bei PowerShift e.V. als Referent für Klima- und Ressourcengerechtigkeit im Rahmen des Berliner PromotorInnen-Programms.

 

Vortrag und Diskussion: Fahrt in Mondlandschaften: Bergbau in Peru

16.3.2015, 19 Uhr, ÖIZ, Kreuzstr. 7, 4. Etage –  findet wegen Krankheit nicht statt

1_bergwerk_peruKupfer, Gold, Erdöl: Die Automobilindustrie – auch die von Elektroautos – verbraucht riesige Mengen an Rohstoffen. Peru ist eines der Länder, in denen diese Rohstoffe gewonnen werden – verbunden mit hohen Renditen für die Konzerne. Sie zahlen kaum Steuern dafür. Wasser-, Land und Menschenrechte bleiben häufig auf der Strecke, denn auch die jeweilige Regierung hilft mit, die Interessen der Konzerne gegen die örtliche Bevölkerung durchzusetzen.

Am Beispiel der nordperuanischen Andenregion Cajamarca berichtet Michael Schrick über ungezügelten Rohstoffhunger, soziale Konflikte und die Arbeit der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“.

Michael Schrick ist Mitglied der AG Städtepartnerschaft des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick mit der Region Cajamarca und der Koordinationsgruppe der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“.

 

Filmvorführung und Gespräch: Die Lithium Revolution

25.3.2015, 19.45 Uhr, Programmkino Ost, Schandauer Str. 73

Lithium_14-130x97Der Film „Die Lithium Revolution“ berichtet über ein globales Pokerspiel um Elektromobilität, Gerechtigkeit und ökologisches Wachstum. In Zeiten globaler Rohstoffknappheit und steigender Energiepreise ist Lithium auf dem Weg, zu „dem” strategischen Rohstoff des 21. Jahrhunderts zu werden. Lithium ist die Grundlage für neuartige Batterietechnologien und somit die Voraussetzung für eine schnelle Verbreitung der Elektromobilität. Die Dokumentation beleuchtet die Jagd auf den Superstoff aus verschiedenen Perspektiven.

Im Anschluss an die Filmvorführung bietet ein Gespräch mit Oscar Choque vom Ayni e.V. Gelegenheit, über aktuelle Entwicklungen in den Lithiumabbaugebieten im bolivianischen Hochland zu diskutieren.

Aktuell

Vortrag und Gespräch

Religiöse Vielfalt – Zusammenleben verschiedener Denominationen und Religionen am Beispiel Tansanias

Mi., 31. Mai, 19 Uhr
ÖIZ, Kreuzstr. 7, Raum Sophia

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Podiumsgespräch

Kann man alles glauben in Dresden? Internationale Studierende berichten

Mo., 22. Mai, 20 Uhr
KSG/Katholische Gemeinde St. Paulus, Bernhardstr. 42

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Ökumenisches Friedensgebet

immer montags
Kreuzkirche
17 Uhr


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