| Was passiert im ÖIZ? Zweck des Vereins ist die Weiterarbeit im konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sowie der In- und AusländerInnenarbeit in den
christlichen Gemeinden und in der Öffentlichkeit.“ – so steht es in der Satzung des ÖIZ. Aber wie sah diese Arbeit im zurückliegenden Halbjahr 2008 praktisch aus? Viele Veranstaltungen und Projekte finden auf Einladung von Gemeinden oder Gruppen statt und erscheinen nicht im Monatsprogramm. Aber ein Rückblick auf einige Projekte lohnt sich.
Gerechtigkeit Heinz Kitsche Im Mai fand in Mölkau bei Leipzig die Eine-Welt Regionaltagung Sachsen zum Thema: „Hier Bio – dort Hunger“ statt. Unter den Teilnehmern waren etwa ein Drittel neue Gesichter. Tief betroffen wurden sie durch die konkreten Schilderungen über die Auswirkungen unseres ungezügelten Kraftstoffverbrauches auf die Bevölkerung Indonesiens und Lateinamerikas. Mit dem Anbau von Agro-Treibstoff, wie Zuckerrohr oder Ölpalmen,
wird der natürliche Lebensraum von Menschen und Tieren gefährdet. Arten sind vom Aussterben bedroht. Die kompetente Referentin erzeugte durch ihre Berichte große Betroffenheit. Um nicht in der Erstarrung stehen zu bleiben, wurden in einem zweiten Teil Alternativen und Kampagnen vorgestellt.
Frieden Annemarie Müller Für ein Tagesseminar fragte im Januar die evangelische Kirchgemeinde in Machern an. Sie wollte für junge und alte Ehrenamtliche in der Kirchgemeinde eine Weiterbildung zum Schwerpunkt „Leiten heißt nicht leiden“. Bunt gemischt war die Gruppe, vom Rentner bis zum Gymnasiasten. In Gemeinden mit immer weniger Hauptamtlichen ist es wichtig, dass auch Laien einen konstruktiven und kommunikativen Leitungsstil beherrschen. Und so wurde
geübt, wie man als Verantwortlicher in Gruppen mit Störungen umgeht, wie man zielgerichtet Gruppen moderiert, wie gelingende Kommunikation aussehen soll. Und als Neben-produkt des Tages lernten sich die Gemein-deglieder durch die intensive Arbeit noch besser kennen und schätzen.
Schöpfungsbewahrung Hannelore Franck Mit zwanzig Kindern und einigen Erwachsenen aus der Katholischen Gemeinde Sankt Petrus Dresden unternahm Hannelore Franck im Mai einen Ausflug in den Forstbotanischen Garten Tharand. Unter dem Thema: Zwischen Himmel und Erde – Bäume“ vermittelte sie den Kindern Wissen über die Bäume. Daran schloss sich die individuelle Begegnung zwischen je einem Kind und einem Baum an, eine ganz intensive Beziehung entstand. Indem sie Aufgaben
umsetzen, lernten sie den Baum mit allen Sinnen kennen, schrieben sogar über ihn kleine Verse. Sie waren so vertieft, dass sie sich überhaupt nicht mehr von ihren Bäumen trennen wollten.
Ökumene Elisabeth Naendorf: Als Theologin war Elisabeth Naendorf zur Ringvorlesung an der TU Dresden zum Thema:
„Mensch - tu was“ eingeladen. Unter dem Schwerpunkt „Der Einsatz für die Schöpfung – kirchliche Umweltbewegung und ihre Wurzeln im christlichen Glaubensverständnis“ gestaltete sie zusammen mit Hannelore Franck eine Vorlesung. Dabei war ihr Part, den Einsatz für die Schöpfung aus biblischer Sicht den Studierenden nahe zu bringen. Und nicht alle brachten christliches Vorwissen mit. Es war eine interessante Herausforderung, unser sozial-ethisches Verständnis auch für andere
nachvollziehbar zu erklären.
CABANA Beratung Grit Gabler und Annegret Krellner Jeden Tag sitzen Menschen auf dem Gang vor dem Beratungsbüro von CABANA. Im zurückliegenden Halbjahr kamen sie aus mindestens 28 Ländern dieser Welt zur Beratung. Mehr als 950 Gespräche fanden statt. Manche kamen nur
einmal, andere öfters. Die Hilfesuchenden waren Migranten mit oder ohne Aufenthaltstitel, ausländische Studierende oder jüdische Menschen aus den GUS-Ländern, die in Deutschland eine neue Heimat suchen. Und der Beratungsbedarf reißt nicht ab.
CABANA – Dialog der Kulturen Annegret Krellner Auf Anregung
eines Beiratsmitgliedes fand im März eine Informationsveranstaltung zur politischen Situation in Burma im Festsaal des Rathauses statt. Referentin war eine Burmesin, die selbst Menschenrechtsverletzungen am eigenen Leib erlebte, im Gefängnis saß und heute im Exil lebt. Mit ihren Berichten erzeugte sie Betroffenheit für die problematische politische Situation im Land, die bei der nachfolgenden Umweltkatastrophe im verachtenden Verhalten der Regierung wieder sichtbar wurde. Mehr als 160
Personen kamen an diesem Abend ins Rathaus, darunter auch burmesische Flüchtlinge, die heute in Dresden oder Sachsen leben. Mit dem Abend konnte auch dazu beigetragen werden, dass ein Netzwerk zwischen Interessierten aus Dresden, Prag, Greifswald und Köln geknüpft wurde. Später fand in Greifswald ein ähnlicher Abend statt.
CABANA – Christlich-islamischer Dialog
Grit Gabler und In Am Sayad Mahmood Als ein besonderer Gewinn in diesem Jahr wurde die Zusammenarbeit mit der islamisch-türkischen Gemeinde Dresden gewertet. Sie ist eine zweite islamische Gemeinde in der Stadt, die sich inzwischen so gefestigt hat, dass sie auch nach außen tritt und sich öffentlich präsentiert. Im April trat sie als Mitveranstalter bei dem Seminar „Pflicht und Freiheit, Möglichkeiten und
Grenzen der Selbstbestimmung im Christentum und Islam“ mit auf. Besonders interessant als Referent war dabei der Islamwissenschaftler Bekir Alboga aus Köln. Er ist Dialogbeauftragter der Türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. und war Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime in Deutschland. Das Interesse an diesem Thema und seiner Person war groß. So nahmen 70 Menschen am Abend- und 40 an dem anschließenden Tagesseminar teil. STUBE Sachsen Barbara Irmer In Deutschland ist es vielleicht nicht das wichtigste Thema: China in Afrika. Aber unter den Studierenden aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die an den von STUBE angebotenen Wochenendseminaren teilnahmen, war es ein Wunschthema. So fand im April in Freiberg unter der Überschrift „Osten statt Westen“ eine
intensive Auseinandersetzung mit der Rolle Chinas in Afrika statt. Über 40 Studierende, unter ihnen auch Chinesen und Afrikaner, nahmen mit Interesse daran teil. Die ReferentInnen waren u.a. internationale Promotionsstudenten, die über dieses Thema arbeiten und ihr neuestes Wissen vermitteln konnten. Von unterschiedlichen Seiten betrachtet, wurde deutlich: China tritt in Afrika als neuer Wirtschaftsakteur auf, der selbst keine Geschichte als früherer Kolonialherrscher mitbringt. Damit
erleben die Afrikaner, dass ein Wirtschaftswachstum auch ohne den industriellen Norden möglich sein kann und bisherige Abhängigkeiten überwunden werden können. Wie sich diese Verbindung zukünftig auswirkt, lässt sich heute allerdings nicht absehen.
Annemarie Müller
Waffen, die nie mit Töten aufhören Anti-Streubombenkonferenz tagt in Dublin
„Geh nur dort vom Wege ab, wo vor Dir schon Menschen gelaufen sind.“ Mit dieser Warnung wollten Einheimische verhindern, dass wir bei unserem Besuch 1998 in Bosnien nicht aus Versehen auf noch im Boden liegende Minen traten. Rot-weiße Bänder am Straßenrand zeigten gefährliche Gebiete an. Plakate warnten Kinder
davor, nichts Unbekanntes aufzuheben. Es könnten tödliche militärische Sprengkörper sein. 100.000 Menschen, so schätzt die Hilfsorganisation Medico International ein, kamen weltweit bisher durch Blindgänger von Streumunition ums Leben.
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind diese Streubomben im Einsatz. Das Besondere dieser seit den 1940er Jahren weiter entwickelten Waffe ist die Breitenwirkung. Eine große Bombe wird abgeschossen. Sie öffnet sich und setzt viele kleine Waffen frei.
Diese wirken auf einer größeren Fläche zerstörend, dringen in Schützengräben, ungepanzerte Fahrzeuge, Straßen, Felder und andere Infrastruktur ein und explodieren verzögert. Die Praxis zeigt allerdings, dass etwa zehn Prozent der Bomben nicht detonieren und als Blindgänger liegen bleiben. Von den Herstellerfirmen, darunter 27 in Deutschland (www.streubombe.de), wird allerdings behauptet, dass die Versagerrate bei nur einem Prozent liegt. Zwischen 1999 im Kosovo-Krieg und 2003 geht man davon aus, dass über eine Million Streubomben weltweit in Einsatz kamen, allein 1392 im Kosovo. Damit gehört diese Munition zu den heute am meisten eingesetzten konventionellen Waffen. Und diese Waffen machen keinen Unterschied zwischen militärischen und zivilen Opfern. Wie der Präsident des
Internationalen Komitees des Roten Kreuzes sagte, sind es „Waffen, die nie mit dem Töten aufhören.“ In Dublin/Irland verhandelten vom 19. bis zum 30 Mai 2008 Vertreter von mehr als 100 Nationen über ein Abkommen zum Verbot von Streubomben. Ziel war es, den Einsatz, die Herstellung und die Lagerung von Streubomben weltweit zu ächten. Bedauerlicherweise waren wichtige Länder, die diese Waffen immer noch einsetzen, lagern oder sie in ihrem Land herstellen, nicht anwesend. Dazu
gehören Russland, USA, China, Israel, Indien und Pakistan. Ratifiziert wird der Vertrag erst, wenn ihn im Dezember diesen Jahres mindestens 30 Länder in Oslo unterschrieben haben.
Beobachter sind einerseits für die Verhandlungen dankbar, anderseits schauen sie kritisch auf den Vertrag, da auch für Unterzeichnerländer noch viele Schlupflöcher offen bleiben. So ist es zukünftig trotz Unterschrift möglich, gemeinsame Militäroperationen mit Nicht-Vertragsstaaten, die weiterhin
Streubomben einsetzen, durchzuführen. Sogar die Lagerung von Streubomben dieser Staaten im eigenen Territorium ist nicht untersagt. Und Deutschland, als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt, kann davon ausgehen, dass die gefährliche Bombe „SMArt 155“ (Artilleriegeschoss mit Submunition), hergestellt von Rheinmetall und Diehl, weiter produziert, gelagert und exportiert werden darf.
Die mahnenden Worte des Papstes an die Dubliner Konferenz zur Umsetzung eines klaren
Verbotes von Streubomben wurden nicht beherzigt. Papst Benedikt XVI. erwartete von den Teilnehmern eine deutliche Verpflichtung, die ein glaubhaftes internationales Instrument für den Frieden wird.
Annemarie Müller |