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aktuell: 3.7.2009


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AKTUELLES

Wie schnell die Zeit vergeht!
Rückblick auf die inhaltliche Arbeit des ÖIZs im ersten Halbjahre 2009

Jetzt liegt schon bald die erste Jahreshälfte 2009 hinter uns. Die Zeit vergeht „wie im Flug“ und es bleibt kaum Gelegenheit, sich zu besinnen. Was haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ökumenischen Informationszentrums Interessantes in den ersten sechs Monaten erlebt und gestaltet? Eine Frage, die uns bewegt und über die Sie als Freunde unseres Vereins sicher ebenfalls informiert werden wollen.

CABANA – Dialog der Kulturen 
Annegret Krellner
Da die Beratungsarbeit bei Cabana viel Kraft und Zeit bindet, war es hilfreich, dass Frau Krellner für das erste Halbjahr in der Stadt Dresden einen wichtigen Partner im Dialog der Kulturen hatte. Die Partnerstadt Brazzaville in der Republik Kongo stand im Mittelpunkt der Ausstellung im LadenCafe aha und unterschiedlichsten Veranstaltungen. Es war schon etwas Besonderes, als die Bilder einer Malschule persönlich nach Dresden gebracht wurden und die Künstler bei der Ausstellungseröffnung zugegen waren. Und das der Dresdner Kulturbürgermeister die Eröffnungsworte sprach, kommt sicher auch nicht so oft vor. Einige Bilder aus Brazzaville konnten inzwischen sogar schon verkauft werden.

Christlich-islamischer Dialog
Grit Gabler
Auch wenn der christlich-islamische Dialog für das ÖIZ schon fast zur Normalität geworden ist, bleibt jede Veranstaltung ein Ort neuen Lernens. Im Jahr 2008 konnte als neuer Partner die Türkisch-Islamische Gemeinde in Dresden als Mitveranstalter gewonnen werden. Erster Höhepunkt war die Einladung zum Ramadan im Herbst 2008. Inzwischen ist die Gemeinde neben dem Islamischen Zentrum  ein verlässlicher Partner in der Vorbereitung und Durchführung der Seminare. Bei dem vor wenigen Tagen stattgefundenen Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen konnten auch viele muslimische Teilnehmer mit Kindern begrüßt werden. Diesmal stand der Wahrheitsanspruch der Religionen im Mittelpunkt. Erfreulich neben der Zusammenarbeit ist auch die steigende Besucherzahl.

Bewahrung der Schöpfung
Hannelore Franck
In den letzten Tagen konnte Hannelore Franck erfolgreich mit 18 Teilnehmerinnen die 8.Weiterbildung zu Naturkindergärtnerinnen abschließen. Der nächste Kurs ist schon geplant und ausgebucht. Ein anderer Schwerpunkt in der Umweltarbeit war die Mitarbeit am Projekt der Evangelischen Landeskirche zu Energie-Management für Gemeinden. Noch werden weitere interessierte Teilnehmer dazu gesucht. Mit dem Arbeitskreis Umweltbildung bot Frau Franck in den Randregionen von Dresden besondere Kinder- und Familienprojekte an. Zuletzt schöpften sie im Gönnsdorfer Park Papier. Da die Freizeitangebote in diesen Orten häufig sehr gering sind, brauchte es nicht viel Werbung, um eine arbeitsfähige Gruppe zusammen zu bekommen.
In Zusammenarbeit mit dem Haus der Kirche begann Frau Franck im Frühjahr das Projekt „Internationale Festtagsküche“. Bisher wurde persische und russische Küche vorgestellt, gemeinsam zubereitet und mit Freude gemeinsam verspeist.

Ökumene
Elisabeth Naendorf
In Vertretung für Barbara Irmer hat Frau Naendorf die Bearbeitung des kleinen Stipendienprogramms BPSA übernommen. Es ist gekoppelt mit der STUBE-Arbeit und ermöglicht Studierenden unter bestimmten Kriterien, Unterstützung bei einem Praktikumsaufenthalt in ihrem Heimatland.
Im Ökumenebereich steht in diesem Jahr das zwanzigjährige Jubiläum der Ökumenischen Versammlung im Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit der Kreuzkirchgemeinde und der Katholischen Akademie wurden vier Abende zu den Themen Gerechtigkeit, Frieden, Schöpfungsbewahrung und Ökumene vorbereitet und durchgeführt. Zu den Veranstaltungen trafen Zeitzeugen der Ökumenischen Versammlung mit Menschen zusammen, die 1988/89 aus unterschiedlichsten Gründen nicht dabei waren, weil sie zu jung waren oder nicht in der DDR lebten. Fazit aller Abende: die Abschlusspapiere der Versammlung sind immer noch hoch aktuell aber wenig in den Kirchen umgesetzt. Es lohnt sich, weiter damit zu arbeiten. Um die Texte breiter bekannt zu machen, werden in der Kreuzkirche bei Orgel-Punkt-Drei vom ÖIZ einmal in der Woche Text-Auszüge vorgelesen.

STUBE Sachsen
Kristin Scharschmidt
Dieser Arbeitsbereich erlebte einen Personalwechsel. Am 1. März übernahm Kristin Scharschmidt diese Bildungsarbeit in Sachsen. Im Sommersemester standen u. a. drei Wochenendseminare an, die vorbereitet und durchgeführt werden mussten. Nicht ganz einfach für Frau Scharschmidt, denn sie musste schnell Kontakte zu den ausländischen Studenten in den sächsischen Studienorten: Dresden, Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Mittweida herstellen und sich in die vorgegebenen Themen einarbeiten. Da stand die Ernährungskrise im globalen Kontext auf der Agenda, die Auseinandersetzung mit Wirtschafts- und Sozialpolitik in den Herkunftsländern der Studenten und die Erfahrungen und der Umgang mit Rassismus und Diskriminierung hier und zu Hause. Große Themen, die methodisch für die Studierenden nachvollziehbar vermittelt werden mussten. Dabei nutze sie auch das Wissen der

Teilnehmenden. Nicht ganz unkompliziert war es, wenn nicht alle Deutsch verstehen, bzw. sprechen. Da musste gedolmetscht werden oder Vorträge und Diskussionen in Englisch geführt werden, damit die anwesenden Afrikaner, Lateinamerikaner, Asiaten und Studenten aus ehemaligen GUS-Ländern sich verstehen. Mit den wenigen Worten wird vielleicht deutlich, welche spannenden Begegnungen und inhaltliche Bereicherung diese Arbeit mit sich bringt.

Frieden
Annemarie Müller
Aus der Frage, wie die Themen des Konziliaren Prozesses heute an Jugendliche herangetragen werden können, entstand in ökumenischer Vorbereitung das Planspiel-wochenende für Jugendliche.
Zu dem Schwerpunkt „Schuldig – wir sprechen Recht“ trafen sich 24 Jugendliche aus Sachsen und spielten ein Wochenende lang eine Gerichtsverhandlung. Fiktiv wurde ein ehemaliger Delegierter der Ökumenischen Versammlung von 1989 angeklagt, seine Worte von damals zu gerechtem Konsumverhalten heute nicht mehr umzusetzen. Durch diese Anklage, mussten die Spieler sich mit fairem Kauf von Kleidungen auseinander setzen. Ihnen wurde deutlich, was ihr Konsumverhalten hier mit den Produzenten in einem anderen Land dieser Erde zu tun hat, wie global es sich auswirkt. Großer Höhepunkt am ersten Abend war das Grußwort durch Heino Falcke aus Erfurt, der als Persönlichkeit die Jugendlichen beeindruckte.
Erfreulich waren auch die Blockseminare bei Lehramtsstudenten der TU Dresden. Inhaltlicher Schwerpunkt war der Umgang mit Konflikten und gewaltfreien Lösungsansätzen für die zukünftigen Lehrer.


Nach der Wahl ist vor der Wahl
Ermutigend aber auch beunruhigend – das Wahlergebnis der NPD bei der Kommunalwahl

Nach der Kommunal- und Europawahl im Juni 2009 äußerte sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich vorsichtig optimistisch über das Abschneiden der NPD. Sie habe Mandate dazu gewonnen, aber verglichen mit früheren Wahlen hat ihr Einfluss abgenommen.
Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen beurteilt den Fakt etwas anders: „Sie verankern sich aber weiterhin...“ und auf bedenklich hohem Niveau trete die NPD nach der ersten Wahl 2009 stabil auf.
Nach Auszählungen aller Wahllokale in Sachsen kam die NPD zur Kommunalwahl 2009 auf 2,3 Prozent. Damit erhielt sie etwa 70 Parlamentssitze und ist in sehr vielen Kommunen vertreten. Verglichen mit der letzten Wahl, wo sie nur 26 Mandate erhielt, ist das ein großer Zuwachs. Allerdings trat sie damals nicht flächendeckend an. Auch wenn die Partei diesmal ihr vorgenommenes Ziel von 100 Plätzen nicht erreicht hat, macht es Sorgen im Hinblick auf die noch anstehende Landtags- und Bundestagwahl in diesem Jahr.
Schaut man noch etwas genauer auf die Wahlergebnisse, so gab es im Landkreis Sächsische Schweiz die meisten Stimmen für die NPD. Aber in Königstein, wo 2004 noch 22,7 Prozent diese Partei wählten, kam sie nur auf 8,9 Prozent. Auch in dem als „braun“ bekannt gewordenen Ort Reinhardtsdorf-Schöna konnte die parteilose „Wähler-vereinigung 94“ mit sieben Stimmen die absolute Mehrheit gegen die NPD erreichen. Besonders dort wurde sichtbar, dass bei Kommunalwahlen Personen gewählt werden. Sicher deshalb erhielt der Klempnermeister und NPD-Mitglied die meisten Stimmen von allen. Man kannte ihn eben.
Gesamt gesehen kann aber positiv wahrgenommen werden, dass bei den Kommunalwahlen in Sachsen die GRÜNEN mit 5,2 Prozent deutlich mehr Stimmen als die NPD erringen konnte.
In unseren Nachbarländern ist eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. In Sachsen-Anhalt wählten rund 2,0 Prozent NPD, in Thüringen ebenfalls. Das Ergebnis von Mecklenburg-Vorpommern liegt bei etwa 3,0 Prozent. Weniger erfreulich, dass es dort in einzelnen Regionen wieder zweistellige Wahlergebnisse für die NPD gegebene hat, aber nicht mehr in der Höhe von 2004, wo es in einer Stadt 38 Prozent gab.
Im Juni wurde auch das Europaparlament gewählt. Da ist die NPD nicht angetreten. Sie will ihre Kräfte für die Landtage und den Bundestag sammeln.
Wichtig ist, dass die Partei diesmal bei der Landtagswahl am 30. August 2009 nicht die Fünfprozenthürde überspringt und dann auch nicht mehr in den Landtag einzieht. Ob dies gelingt, hängt von uns Wählern ab. Wir müssen an der Wahl teilnehmen und bewusst eine Entscheidung gegen die NPD treffen. Die EKD-Synode hat sich dazu bereits vor der Kommunalwahl mit folgenden Worten geäußert: „...Rechtsextreme Parteien wie besonders die NPD, sind für Christinnen und Christen nicht wählbar.

Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbart...“
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen kritischen Wahlgang am 30. August 2009.

Annemarie Müller